Deutschland ein Wintermärchen….oder Nudeln mit Tomatensosse koch ich doch lieber selbst

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Es ist November, mein Sohn und ich landen auf dem Flughafen in München, mit jeweils 2 Koffern und jeder Menge Handgepäck. Fuhren dann durch halb Deutschland mit Bus und Bahn um einen Tag später an unserem gewählten Ziel anzukommen…Nun hatte ich mich vorher schon um eine vorübergehende Unterkunft bei ‘nem Bekannten gekümmert, hatte auch schon einen Job in Aussicht.

Die  Ämter hier lassen einen nämlich im Regen, oder besser der Jahreszeit angepasst im Schnee stehen. Von wegen Sozialstaat.

Überall bekam ich dieselbe Frage gestellt.

  • Was wollen sie eigentlich von uns?
  • Wo sind ihre Eltern oder Verwandte?
  • Wir sind nicht für sie zuständig!

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Nachdem ich mich ordnungsgemäß im deutschen Lande wieder angemeldet habe, was zu meiner Verwunderung recht zügig und reibungslos ging, sollte ich am selben Tag noch den ersten großen Dämpfer erfahren.Ich zog eine Nummer und ließ mich, mit anderen, leider nicht mehr berufstätigen Mitbürgern im Wartezimmer nieder. Als ich eine Frauenstimme von weitem hörte “Nr. 138”, alle schauten auf ihre Zettelchen vor sich. Jippi es war meine. Ich stand flink auf und suchte die dazugehörige Person.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ich setzte mich also an einen Tisch mit zwei Amtsmitarbeiterinen die beide eine Ähnlichkeit hatten mit dem Küchenpersonal einer Schulkantine. Es fehlte nur noch das Haarnetz und ich hätte direkt einmal Nudeln, aber nur mit wenig Tomatensoße bestellt. Schnell besann ich mich wieder und erzählte kurz der „amtsfreundlichen“ netten Dame mein Anliegen. Während meiner kurzen Erzählung von wegen ich war im Ausland, bekomme in einem Monat wieder einen Job und müsse jetzt irgendwie den Monat überleben und eventuell Krankenversichert sein, machte sie wie soll es auf Behörden auch anders sein keine Anstalten meinem Anliegen zu folgen. Sie trank ihren Kaffee aus einem Automatenbecher und telefonierte dann noch mit irgendeiner Kollegin wegen eines anderen Hilfsbedürftigen. Nachdem sie fertig war mit ihrem Gespräch und ich mit meiner Selbstunterhaltung auch, drehte sie sich wieder in meine Richtung und fragte mich „was wollen sie eigentlich von uns?“ Ich schluckte und musste kurz selbst überlegen, ja was wollte ich den eigentlich? Hilfe? Eine Auskunft? Sie fragte dann noch einmal nach meinem Namen, ich war mir ziemlich sicher das der sich in den letzten Minuten nicht geändert hatte, tippte jenen, der auch auf meinem Pass stehenden Namen, der direkt vor ihr offen da lag, endlich in den Computer und sagte mit forscher Stimme „Wir hier sind nicht für sie zuständig, ihr Anrecht auf Hilfe ist vor 5 Jahren erloschen“ Das war doch schon mal was. „Und nun“ fragte ich ernüchternd. „Wie, was und nun, sie können zu Amt2 gehen, die sind jetzt für sie zuständig.“  Da sie urplötzlich redselig wurde getraute ich mir noch eine letzte Frage zu stellen, wo denn das Amt2 wäre. „In der Nachbarstadt.“ Oh das war jetzt mal eine genaue Auskunft. Ich gab nicht auf. Fragte noch einmal genauer nach, wo genau und wie ich den dort hinkommen würde, weil gute Frau ich neu hier sein und nicht wissen wo nächste Stadt.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Ich hab mich dann zuhause via Internet über Ort und Anfahrt zu Amt2 informiert. Weil das einzigste was ich noch erfuhr war das ja heute Freitag wäre und 12 Uhr die Ämter schließen. Ja klar ich vergaß.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Es begann zu schneien übers Wochenende, was meinen Sohn riesig Freude machte, nach 10jähriger Schneeabstinenz. Nur machte ich mir sorgen wegen meines Ausfluges in die große Stadt am nächsten Dienstag. Montag ist doch Schontag. Weil meine Bekleidungsauswahl sich auf sommerliche max. herbstliche Tage begrenzte.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew’gen Wonnen.

Also stellt ich mich, am Dienstagmorgen, mit ausgeliehener Kleidung, aus dem Schrank meines mich beherbergenden Bekannten, an die Bushaltestelle in das Schneegestöber und wartete mit noch einem frierenden älteren Herren auf unsere warme trockene Mitfahrgelegenheit, als der Bus dezent an uns vorbeifuhr ohne von uns beiden auch nur Notiz zu nehmen. Das ging ja toll los. Der alte Herr und ich schauten uns fragend an und wir verstanden die Welt nicht mehr. Also warteten wir, gefühlte 2 Stunden, bei nicht nachlassendem Schneegestöber, auf den nächsten angekündigten Bus, der auch ca. 20 min später kam. Diesmal  aber warf ich mich halb vor den Bus und er musste bremsen und uns mitnehmen. Mittlerweile war es hell geworden, fröstelnd saß ich am Fenster und schaute mir die riesigen Schneeflocken an. Von ihnen betrachtet, hat es schon was Schönes so ein Winterwetter.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Nach 1 Stunde stand ich vor dem Amt2, meine Füße spürte ich schon lange nicht mehr, die Hose war bis zu den Knien voller Schneematsch. Leider fahren die Busse einen nicht direkt bis vor die Türe und ich musste einen 10minütigen Fußmarsch in Kauf nehmen, der leider eine halbe Stunde dauerte, weil ich bin ja eine Frau, und dazu noch blond und ging am Anfang wie soll es auch anders sein, in die falsche Richtung. Aber endlich, ich hatte es geschafft. Ich war erfroren aber stolz auf mich.

Leicht entsetzt schaute ich mir die dreckige Fensterfront mit den zahlreich eingeschlagenen Scheiben an. „Wie man sich bettet so lebt man?“ oder so ähnlich sagt doch ein Sprichwort. Die letzte Anlaufstelle für hilfsbedürftige Menschen ist ein abrissreifer alter Wohnblock aus DDR-zeiten. Sehr bildlich!!

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Mir schwante schlimmes als ich die klebrige Eingangstüre mit den Füssen versuchte zu öffnen. Aber siehe da ein gutaussehender nett lächelnder Türsteher, öffnete mir wohlweislich die Pforte. Wozu denn ein Türsteher, wer bitte sollte hier noch mehr zerstören? Ich lächelte freundlich und bedankte mich höfflich.

Ziemlich zügig wurde ich von dem netten Beamten, der für meinen Anfangsbuchstaben, zuständig war auch empfangen. Ich war guter Dinge.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Schluck…Keine 3 Minuten später stand ich wieder vor der Tür im Schnee. Die Sonne luckte durch die kalte Wolkendecke und in meinem Hirn spuckten seine Worte. „Wir können erst etwas für sie tun, wenn sie uns eine Ablehnung von Amt1 bringen!“ Ich dachte ich bin im falschen Film, wo um alles in der Welt komm ich den her? warum weiß das die, ich wusste es doch ich hab mit der Küchenfrau gesprochen und nicht mit einer Beamtin.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Wieder zuhause angekommen beschloss ich den Monat einfach gesund zu bleiben und von meinem restlichen Ersparten zu leben. Diese Behördenodysee war mir ehrlich zu dumm. Ich kam mir verschaukelt und allein gelassen vor.

Heute 2 Jahre später, lese ich ständig Deutschland muss helfen und wir müssen Verständnis aufbringen.

Warum bitte warum?

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Als Deutscher im Ausland musste ich mich allein durchschlagen, die Sprache lernen und mir eine Wohnung und einen Job suchen. Zurück in Deutschland als Deutscher genauso.

Wer hat uns damals geholfen? Wir standen frierend im Schnee.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Es tut mir leid. Als Deutscher wird dir keine Hilfe zugesprochen…. man wird als Sozialschmarotzer abgetan. Schlaraffenland Deutschland empfängt alle Menschen mit großen Armen aber nur! wenn sie nicht Deutsche sind.

Denn dann sind sie nicht zuständig für einen.

ARMES DEUTSCHLAND

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder –
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der höchsten Weihe –

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerfließen in Flammenbächen –
Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
Ich könnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte –
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

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