leinen los…..oder wie fange ich keine Fische

„Gib noch mehr Leine! Halt es doch noch straffer! Ach, gib schnell her und übernimm Du das Steuer, beeil Dich doch, jetzt!“

Agnes rückte rüber und drosselte den Motor, denn die Wellen peitschten ihr schon ins Gesicht während des heftigen Platzwechsels.

Charly rollte die Leine auf und lockerte sie wieder etwas und rollte und lockerte mit einer unendlichen Geduld. Das Boot lag  ruhig da und sie konzentrierten sich nur noch auf das Ende der Strippe und … und!

„Wahnsinn“, Agnes sprang auf, hing aber noch mit einem Fuß in einem herumliegenden Seil fest und stürzte auf Charly zu, der sie aber nicht wahrnahm.  Er saß am Rande des Bootes und wollte gerade seinen ersten ’Fang’ rein holen, als sie auf ihn zufiel.

Ein Aufschrei, ein lautes Plumpsen, das Wasser spritzte auf und schlug wieder zusammen. Agnes konnte sich noch am Rande festhalten und blickte hinab.

Hunderte von schillernden Ringen trieben auseinander. Mein Gott, habe ich ihn jetzt umgebracht, schoss es ihr durch den Kopf. Als sich des Meer regelrecht, vor meinen Augen wieder auftat und Charly hervorschoss. Ihr fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Für einen Moment wusste sie nicht was mit ihm geschehen war. Sie freute sich nur, dass das Meer ihn wieder ausgespuckt hatte.

Als sie, beim Rettungsmanöver, sich ihn nun genauer betrachtete, hatte sie vor Lachen kaum Kraft ihn über Bord zu hieven.

Er lag  vor ihr, fest verschnürt, wie ein Paket!

“Halt endlich auf mit Deinem kindischem Gelächter und hilf mir mich von der Angelschnur zu befreien.“

„Ich hätte ertrinken können”

Sie bekam fast keine Luft vor Lachen, als sie ihm versuchte die Angelschnur, die fest um seinen Körper verzurrt war, abschnitt. Sie husteten und prusteten beide, er vom geschluckten Wasser und sie vor Lachen.

Als sie ihn endlich befreit hatte vielen sie sich um den Hals. “Falls Du es wieder einmal vorhast, mich ins Jenseits zu befördern, dann denke vorher daran, dass ich so langsam ein richtiger Seebär geworden bin”

Charly hob  seinen Fang hoch “der reicht für uns beide heute Abend” sagte er stolz. So langsam hatte Agnes sich wieder gefangen, “toll, aber mein Gott was hast Du denn da unten im Wasser getrieben, ich bin vor Angst fast gestorben.”

“Du bist nicht vor Angst fast gestorben, sondern weil Du Dich vor Erheiterung um meinen Todeskampf kaum noch halten konntest” antwortete Charly. Er stemmte die Arme in die Seite und schaute mich strafend an. ” Ich hatte noch etliche Leine rumliegen als Du mich über Bord stießt. Ich rollte ein paarmal im Wasser. Als ich die Richtung wieder hatte sah ich nur noch ein Gewirr von Schnur vor mir und meinen Fisch der im Begriff war sich zu verdünnisieren. Ich schnellte mit den Händen vor um den Fisch zu packen, griff durch das Schnurgewirr und zog dabei meine ‘Fesseln ‘ immer enger, aber! unser Abendmahl war wieder sicher. Ein echter Kerl kümmert sich eben zuerst um seine Lieben auch wenn er schon dem Tode geweiht ist”

Erhobenen Hauptes  drehte er sich um und schritt in die Kabine. Agnes blickte ihm stolz hinterher und er drehte sich noch mal um “na los, werfe die Maschine an und ab nach Hause. Ich ziehe mir nur etwas Trockenes an. Und!“

„Ich liebe Dich, du meine heimtückische Mörderin”, die Tür von unserer kleinen Kajüte schlug zu.

Agnes ging zum Steuer drehte den Zündschlüssel um und gab etwas Gas. Unser Boot glitt langsam über die Wellen.

Die Luft war, trotz dass es schon Mitte September war und die Sonne langsam unterging, noch herrlich warm.

Am Horizont waren zwei Boote, deren  Segel noch von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne berührt wurden.  Dieses Glitzern schien über das ganze Meer zu schweben. Tausende von Sternen lagen auf dem Wasser, welches nun von seinem zarten Pastellblau langsam ins gelbliche und nun eine rötliche Färbung überging. Die Sonne tauchte ins Meer. Sie schaltete den Motor aus.

„Wir sind nun schon 2 Jahre hier aber diese Sonnenuntergänge sind immer noch etwas Wundervolles, etwas Wertvolles“ sagte sie gedankenverloren.

Charlys Hand berührt sie sanft. Aus ihren Träumen herausgerissen, hatte sie Charly gar nicht bemerkt.

Sie drehte sich um und wollte etwas sagen. Seine Hand aber legte sich auf ihren  Mund und mit seinem  Arm drehte er sie wieder zum Horizont. Sie hielten sich fest, wie Ertrinkende, bis der Feuerball endgültig ins glühend rote Meer untertauchte.

“Ich bin so unendlich glücklich” sagte Agnes und zog Charly noch fester an sich. “Halt mich fest, für immer. Und halt unser Glück fest. Mehr brauche ich nicht im Leben” Er drückte sie fest an seinen Körper.

Die Zeit schien stehen zu bleiben. Sie spürte seinen leicht fröstelnden aber doch heißen Körper. Sie schloss die Augen und genoss einfach seine Nähe. Langsam löste er dann aber seine Umarmung und schob sie etwas von sich. Er sah ihr tief in die Augen und sagte mit sanfter doch männlicher Stimmer “und ich brauche nichts mehr im Leben als Dich in meinen Armen zu halten, mit Dir zu leben, Dich glücklich zu sehen. Wenn ich das alles habe, dann geht es auch mir gut. Ich liebe Dich, Agnes.” Er drückte sie wieder an sich und küsste sie. Ihr Körper begann zu zittern, nicht vor Kälte nein vor Erregung. Ihr war es nach mehr! Sie spürte ein kribbeln im Bauch, wie Schmetterlinge die hinaus fliegen dem Horizont entgegen. Es war als wäre sie wieder 14, Gefühle kamen in ihr hoch die sie schon lange nicht mehr gespürt hatte. Sie wollte ihn jetzt und hier. Auf dem wankenden Boot unter dem hellerleuchteten Mond. Nur er und sie und das Meer sonst nichts.

“Hier wird es aber langsam ungemütlich werden. Wollen wir es uns nicht lieber zu Hause. Wir machen es uns gemütlich und dann ein schmackhaften Fischessen?”

Aber die Vernunft siegte. Sie stieß ihn sanft gegen die Brust “auf Käp’ten, bringen wir unser Schiffchen in den Heimathafen, los”.

Charly setzte sich ans Steuer und sie fuhren Richtung Hafen. Von weitem konnten sie schon die Lichter der kleinen Hafenstadt sehen.

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