Wer keinen Mut zum Träumen hat….

Zwei Paar nackte Füße ruhen auf dem Geländer. Zwischen ihnen eine Flasche griechischer Rotwein, zwei Gläser glitzern in der Abendsonne.

Die Grillen zirben, die Vögel zwitschern im dichten Laub der Olivenbäume und vom Dorf her dringen Gesprächsfetzen zu ihnen rüber. Sie schließt die Augen und genießt diesen Augenblick. Charly legt seine warme starke Hand auf ihren Bauch. Sie spürt seinen heißen  Atem an ihrem Ohr. Ein kurzer Schauer läuft ihr über den Rücken. Leise küsst er ihren Hals. Es ist so wunderschön das es fast unwirklich zu seien scheint. Sie hört noch seine raue Stimme die sagt  „wir sind endlich zu Hause angekommen, fühlst du es auch?“

Ihre Gedanken sind weit weg.

„Agnes, komm schon wir müssen los, die Arbeit wartet nicht auf uns“ sagte Franjo mit finsterer Miene „auf der Autobahn ist stau und wir müssen über die Landstraße fahren!“ Sie sucht hastig ihre Tasche macht ihr Schuhe zu und ruft noch einmal durch die halb geöffnete Tür“ bis morgen früh.“  Wie fast jeden Abend reagiert keiner von den beiden. Svenja liegt in ihrem Bett die Kopfhörer auf Anschlag und liest in irgendeiner Zeitschrift. Oliver, der kleinere, schaut noch Fern und  hebt teilnahmslos den Arm. Sie schließt die Türe hinter sich und geht  mit müden traurigen Augen zum Auto. Eine Thermoskanne Kaffee in der einen und die Handtasche in der anderen Hand. Schweigend fahren sie durch die Nacht. Sie versucht zu vergessen was passiert. Sie versucht zu verstehen warum er ihr das antun konnte, nach all den Jahren des immer wieder Verzeihens, der viele Arbeit, die dennoch ab und zu schönen Zeiten die sie mit einander verbracht haben. Im Augenwinkel sieht sie ein graues fahles Gesicht, die Nacht hat sie alt gemacht. Der Blick in den kleinen Spiegel über ihr, lässt sie kurz zusammen zucken, war sie das? Eine Träne rollt über ihr Wangen. Wo war die Zeit geblieben? Noch einmal gehen ihr die Worte durch den Kopf, Worte die so hart sein können und ein Leben zerstören. Wie oft hatte sie sich vorgestellt, jetzt wo die Kinder groß sind würde alles besser werden. Sie würden mehr Zeit für sich haben, ihre Angestellten würden auch ab und an mal auf ihre Anwesenheit zu verzichten können. Die Firma arbeitet sozusagen von allein. Sie könnten jetzt auch öfters mal Zeit miteinander verbringen, die Welt anschauen und nicht nur Arbeiten, endlich das Leben genießen. Gemeinsam an einem Strand liegen, nur er und sie, die Füße im weißen Sand. Das war doch der Traum für ihre Zukunft. Wo bitte sehr kommt da die junge Frau her, die Franjos Geliebte sein soll? Mit der er eine neue Zukunft aufbauen möchte? Wie soll sie es den Kindern erklären? Was wird jetzt aus der Firma, aus ihrem geliebten Haus? Aus ihrer Zukunft? Tausend Gedanken spuken in ihrem Kopf. Sie schaut heimlich zu ihm rüber, zu dem Mann mit dem sie ihr Leben aufgebaut hatte, mit dem Sie am Strand spazieren wollte, den Sonnenuntergang genießen und Hand in Hand ihre Zukunft leben wollte.  Zu dem Mann der ihr ihre Träume genommen hatte.

Was sie da sah war nicht mehr ihr Mann, er schaute verbissen auf die Fahrbahn, in seinem Gesicht war keinerlei Reaktion zu sehen, er schaute nicht ein einziges Mal zu ihr herüber. Nein. Er fuhr teilnahmslos die Straßen entlang. Wann war er so grau und alt geworden?

Wann hatte die Geschichte mit ihr, wie hieß sie doch gleich noch, angefangen? Sieh spürte die Kälte um sich herum, eine lieblose Kälte. Sie wollte gerade nach dem Thermostatregler greifen als sie sah dass er bis zum Anschlag auf heiß gestellt war….

Da merkte sie es und  traf in diesem Moment eine Entscheidung. Sie würde nicht schon wieder um ihn kämpfen nein sie würde das Beste daraus machen, aus einer momentan so verlorenen Situation. Sie ist stark und dieser Mann ist es nicht wert das sie schon wieder traurig ist.

Sie fuhren die lange Einfahrt entlang, der Pförtner grüßte wie immer freundlich und lächelte ihr zu….Es sollte das letzte Mal sein, das hatte sie beschlossen. Sie winkte ihm zu und lächelte zurück, wischte die letzte Träne aus ihren Augen. Sie stieg aus dem Wagen und ging ein letztes Mal durch das riesige Eingangstor, in die kalte, nach Druckerschwärze riechende Halle.

Sie schreckt zusammen, das Gras war klamm geworden, die Luft war immer noch angehm warm.  Am Horizont stand die glutrote Sonne über Korfu. Langsam sammelte sie ihre Gedanken wieder…Sie muss eingenickt sein…. Charly schaut sie liebevoll lächelnd an „was ist los Agnes?, du bist eingeschlafen. Es war ein harter Tag, komm lass uns ins Dorf fahren und noch etwas essen“ sie schaut ihn an sah ein funkeln in den Augen, küsst ihn und sagt „ja ich spüre es auch“

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