LEBENSWEISHEITEN

how_to_be_parisian_wherever_you_are_01 °Hab keine Angst vorm Altwerden.

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°Hab keine Angst vor gar nichts, außer vor dem Angsthaben selbst.

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°Finde dein Parfum, bevor du dreißig bist, und trag es für die nächsten dreißig Jahre.

thTJXFXXPP°Sei untreu: Verrate dein Parfum. Aber nur, wenn es kalt ist.

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°Ob du redest oder lachst – niemand braucht zu wissen, wie dein Zahnfleisch aussieht.

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°Such dir etwas aus, was jeder mag – die Oper, Kätzchen, Erdbeeren –, und verabscheue es.

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°Wenn du nur einen Pullover im Schrank hast – lass es einen aus Kaschmir sein.

°Trag einen schwarzen BH unter einer weißen Bluse, wie zwei Pausenzeichen in einer Partitur.

°Man sollte mit den Männern leben, statt sich ständig an ihnen zu reiben. Außer im Bett.

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°Geh sooft du kannst ins Theater, in Museen,  Ausstellungen, Konzerte – Kultur ist wie gesundes Essen und lässt den Teint strahlen.thM0X9PN0W

°Kenne deine Stärken. Kenne deine Schwächen. Arbeite insgeheim an dir, aber nimm dich nicht zu ernst.

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°Lass dir nie anmerken, dass du dir Mühe gibst: Alles sollte leicht und unangestrengt wirken.haare-glaetten-600x800-661306

°Schneide dir die Haare selbst. Oder bitte deine Schwester darum. Natürlich kennst du auch einen Starfrisör, aber mit dem bist du bloß befreundet. girl-868905_640°Zu viel Make-up, zu viele Farben, zu viele Accessoires: Atme tief durch – weniger ist mehr.

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°Dein Look sollte nie zu durchgestylt sein. Du weißt ja, der Teufel steckt im Detail.

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°Du spielst die Hauptrolle in deinem Leben.

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°Sei allzeit bereit: ob sonntagmorgens beim Bäcker, beim Kippenkaufen mitten in der Nacht oder wenn du die Kinder von der Schule abholst – man kann nie wissen.

thumb_COLOURBOX3846247°Bei grauen Haaren gilt: ganz oder gar nicht. Salz und Pfeffer gehören auf den Tisch.

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Facebook Status ….ist hier: Nordsee

Ungewollt viel, billig und zeitnah reisen.

Es ist immer wieder verblüffend wie Socialmedien den so funktionieren und wie schnell man doch an die Nordsee und wieder zurückkommt.

Wir saßen also seit ewigen Zeiten mal wieder, mit offenen Augen natürlich, da wir ja Fisch lieben, an der, nein in der Junkfoodlocation, „Nordsee“.

Wie auch immer es passieren konnte, ist mir absolut ein Rätsel. Doch mein, neulich erworbenes Smartphone, meinte per Facebook Status allen mitzuteilen….ist hier: Nordsee.

Wir aßen lecker, zahlten unsere fischigen Leckereien und machten uns nichts ahnend auf den Weg nach Hause.

Aufmerksame Leser meinten doch genauer nachforschen zu wollen und freuten sich für mich, über meinen Urlaubausflug und fragten auch gleich nach dem Wetter und wieviel mich der Aufenthalt kostete. Leicht irritiert antwortete ich ahnungslos.

Gab also den Rechnungspreis unserer Mahlzeit an und klärte den SMSer darüber auf, das wohl das Wetter sich innerhalb eines Dorfers kaum drastisch unterscheiden könne.

Da ich, zum Glück, oder Pech, nun nicht zu der Generation gehöre die über zarte Fingerfertigkeit verfügt, war mir die, nun ausbrechende, schriftliche Kommunikation, sehr schnell zu umständlich. P.s. laut meines Sohnes bin ich eigentlich nicht Smartphonetauglich, da ich beide Hände zum bedienen nutze.

Ich griff also, altherkömmlich, zum Hörer, um nachzufragen, wie den mein nichtgegenüber darauf käme das ich, im 800 km entfernten Binnenlande, meinen Urlaub verbringen würde.

Was mich am meisten stutzig machte, war auch die Tatsache, dass ich erst am Vormittag, ihm im Auto grüßender weise begegnete. Schnell klärte sich alles auf.

Seit dem halte ich mich nur in Locations auf, die Namen von interessanten Orten tragen.Den dank Facebook und Co. reise ich nun schnell, günstig und viel in der Welt herum.

Deutschland ein Wintermärchen….oder Nudeln mit Tomatensosse koch ich doch lieber selbst

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Es ist November, mein Sohn und ich landen auf dem Flughafen in München, mit jeweils 2 Koffern und jeder Menge Handgepäck. Fuhren dann durch halb Deutschland mit Bus und Bahn um einen Tag später an unserem gewählten Ziel anzukommen…Nun hatte ich mich vorher schon um eine vorübergehende Unterkunft bei ‘nem Bekannten gekümmert, hatte auch schon einen Job in Aussicht.

Die  Ämter hier lassen einen nämlich im Regen, oder besser der Jahreszeit angepasst im Schnee stehen. Von wegen Sozialstaat.

Überall bekam ich dieselbe Frage gestellt.

  • Was wollen sie eigentlich von uns?
  • Wo sind ihre Eltern oder Verwandte?
  • Wir sind nicht für sie zuständig!

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Nachdem ich mich ordnungsgemäß im deutschen Lande wieder angemeldet habe, was zu meiner Verwunderung recht zügig und reibungslos ging, sollte ich am selben Tag noch den ersten großen Dämpfer erfahren.Ich zog eine Nummer und ließ mich, mit anderen, leider nicht mehr berufstätigen Mitbürgern im Wartezimmer nieder. Als ich eine Frauenstimme von weitem hörte “Nr. 138”, alle schauten auf ihre Zettelchen vor sich. Jippi es war meine. Ich stand flink auf und suchte die dazugehörige Person.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ich setzte mich also an einen Tisch mit zwei Amtsmitarbeiterinen die beide eine Ähnlichkeit hatten mit dem Küchenpersonal einer Schulkantine. Es fehlte nur noch das Haarnetz und ich hätte direkt einmal Nudeln, aber nur mit wenig Tomatensoße bestellt. Schnell besann ich mich wieder und erzählte kurz der „amtsfreundlichen“ netten Dame mein Anliegen. Während meiner kurzen Erzählung von wegen ich war im Ausland, bekomme in einem Monat wieder einen Job und müsse jetzt irgendwie den Monat überleben und eventuell Krankenversichert sein, machte sie wie soll es auf Behörden auch anders sein keine Anstalten meinem Anliegen zu folgen. Sie trank ihren Kaffee aus einem Automatenbecher und telefonierte dann noch mit irgendeiner Kollegin wegen eines anderen Hilfsbedürftigen. Nachdem sie fertig war mit ihrem Gespräch und ich mit meiner Selbstunterhaltung auch, drehte sie sich wieder in meine Richtung und fragte mich „was wollen sie eigentlich von uns?“ Ich schluckte und musste kurz selbst überlegen, ja was wollte ich den eigentlich? Hilfe? Eine Auskunft? Sie fragte dann noch einmal nach meinem Namen, ich war mir ziemlich sicher das der sich in den letzten Minuten nicht geändert hatte, tippte jenen, der auch auf meinem Pass stehenden Namen, der direkt vor ihr offen da lag, endlich in den Computer und sagte mit forscher Stimme „Wir hier sind nicht für sie zuständig, ihr Anrecht auf Hilfe ist vor 5 Jahren erloschen“ Das war doch schon mal was. „Und nun“ fragte ich ernüchternd. „Wie, was und nun, sie können zu Amt2 gehen, die sind jetzt für sie zuständig.“  Da sie urplötzlich redselig wurde getraute ich mir noch eine letzte Frage zu stellen, wo denn das Amt2 wäre. „In der Nachbarstadt.“ Oh das war jetzt mal eine genaue Auskunft. Ich gab nicht auf. Fragte noch einmal genauer nach, wo genau und wie ich den dort hinkommen würde, weil gute Frau ich neu hier sein und nicht wissen wo nächste Stadt.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Ich hab mich dann zuhause via Internet über Ort und Anfahrt zu Amt2 informiert. Weil das einzigste was ich noch erfuhr war das ja heute Freitag wäre und 12 Uhr die Ämter schließen. Ja klar ich vergaß.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Es begann zu schneien übers Wochenende, was meinen Sohn riesig Freude machte, nach 10jähriger Schneeabstinenz. Nur machte ich mir sorgen wegen meines Ausfluges in die große Stadt am nächsten Dienstag. Montag ist doch Schontag. Weil meine Bekleidungsauswahl sich auf sommerliche max. herbstliche Tage begrenzte.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew’gen Wonnen.

Also stellt ich mich, am Dienstagmorgen, mit ausgeliehener Kleidung, aus dem Schrank meines mich beherbergenden Bekannten, an die Bushaltestelle in das Schneegestöber und wartete mit noch einem frierenden älteren Herren auf unsere warme trockene Mitfahrgelegenheit, als der Bus dezent an uns vorbeifuhr ohne von uns beiden auch nur Notiz zu nehmen. Das ging ja toll los. Der alte Herr und ich schauten uns fragend an und wir verstanden die Welt nicht mehr. Also warteten wir, gefühlte 2 Stunden, bei nicht nachlassendem Schneegestöber, auf den nächsten angekündigten Bus, der auch ca. 20 min später kam. Diesmal  aber warf ich mich halb vor den Bus und er musste bremsen und uns mitnehmen. Mittlerweile war es hell geworden, fröstelnd saß ich am Fenster und schaute mir die riesigen Schneeflocken an. Von ihnen betrachtet, hat es schon was Schönes so ein Winterwetter.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Nach 1 Stunde stand ich vor dem Amt2, meine Füße spürte ich schon lange nicht mehr, die Hose war bis zu den Knien voller Schneematsch. Leider fahren die Busse einen nicht direkt bis vor die Türe und ich musste einen 10minütigen Fußmarsch in Kauf nehmen, der leider eine halbe Stunde dauerte, weil ich bin ja eine Frau, und dazu noch blond und ging am Anfang wie soll es auch anders sein, in die falsche Richtung. Aber endlich, ich hatte es geschafft. Ich war erfroren aber stolz auf mich.

Leicht entsetzt schaute ich mir die dreckige Fensterfront mit den zahlreich eingeschlagenen Scheiben an. „Wie man sich bettet so lebt man?“ oder so ähnlich sagt doch ein Sprichwort. Die letzte Anlaufstelle für hilfsbedürftige Menschen ist ein abrissreifer alter Wohnblock aus DDR-zeiten. Sehr bildlich!!

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Mir schwante schlimmes als ich die klebrige Eingangstüre mit den Füssen versuchte zu öffnen. Aber siehe da ein gutaussehender nett lächelnder Türsteher, öffnete mir wohlweislich die Pforte. Wozu denn ein Türsteher, wer bitte sollte hier noch mehr zerstören? Ich lächelte freundlich und bedankte mich höfflich.

Ziemlich zügig wurde ich von dem netten Beamten, der für meinen Anfangsbuchstaben, zuständig war auch empfangen. Ich war guter Dinge.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Schluck…Keine 3 Minuten später stand ich wieder vor der Tür im Schnee. Die Sonne luckte durch die kalte Wolkendecke und in meinem Hirn spuckten seine Worte. „Wir können erst etwas für sie tun, wenn sie uns eine Ablehnung von Amt1 bringen!“ Ich dachte ich bin im falschen Film, wo um alles in der Welt komm ich den her? warum weiß das die, ich wusste es doch ich hab mit der Küchenfrau gesprochen und nicht mit einer Beamtin.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Wieder zuhause angekommen beschloss ich den Monat einfach gesund zu bleiben und von meinem restlichen Ersparten zu leben. Diese Behördenodysee war mir ehrlich zu dumm. Ich kam mir verschaukelt und allein gelassen vor.

Heute 2 Jahre später, lese ich ständig Deutschland muss helfen und wir müssen Verständnis aufbringen.

Warum bitte warum?

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Als Deutscher im Ausland musste ich mich allein durchschlagen, die Sprache lernen und mir eine Wohnung und einen Job suchen. Zurück in Deutschland als Deutscher genauso.

Wer hat uns damals geholfen? Wir standen frierend im Schnee.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Es tut mir leid. Als Deutscher wird dir keine Hilfe zugesprochen…. man wird als Sozialschmarotzer abgetan. Schlaraffenland Deutschland empfängt alle Menschen mit großen Armen aber nur! wenn sie nicht Deutsche sind.

Denn dann sind sie nicht zuständig für einen.

ARMES DEUTSCHLAND

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder –
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der höchsten Weihe –

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerfließen in Flammenbächen –
Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
Ich könnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte –
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Bin ich ausländerfeindlich wenn ich mein Auto abschliesse?

Mitten in der Nacht, so gegen 1, werden wir von zwei netten Polizisten geweckt, weil ein aufmerksamer Bürger zwei dunkelhäutige Personen beobachtete, die in meinem Wagen sitzen…

Es werden Fingerabdrücke genommen, ich werde verhört, von wegen “Warum schliessen Sie Ihr Auto nicht ab etc pp. Jedes in meinem Auto befindliches Fitzelchen wurde umgedreht und ich musste jedes einzelne als mein eigenes identifizieren.

He man ich bin eine Frau da betrachtet man ein Auto unweigerlich als zusätzlichen Raum um Dinge aufzubewahren. Es war teilweise sehr peinlich, was da alles wieder zum Vorschein kam.

Wie dem auch sei 2 Stunden später wurde festgestellt das ich eigentlich an der ganzen Sache schuld sei warum schliesse ich mein Auto auch nicht ab?

Die Leute, mit Migartionshintergrund, waren noch vor dem Ende des mitternächtlichen CSI Einsatzes aus der Haft entlassen worden.

Ich stand um 3 Uhr nachts dumm auf der Strasse und verstand die Welt nicht mehr.  Ging dann irgendwann frösteln in mein Bett und dachte darüber nach warum tut jemand so etwas.? Ich stehle nicht und geh auch nicht in fremde Autos nur weil sie offen sind.

Seit dieser Nacht schliesse ich brav mein Auto ab!!

Letzte Woche bekam ich dann Post von der Staatsanwaltschaft, mit der Aussage: Das Verfahren gegen diese Personen, deren Namen ich nicht lesen konnte, wurde eingestellt, weil sie:

1. Nicht zur Vernehmung erschienen sind und

2. Sie sicher nicht die Absicht hatten mein Fahrzeug zu entwenden, sondern sich lediglich in diesem nur Ausruhen wollten!!!!!!!!!

Jetzt bekomme ich echt ein schlechtes Gewissen, wenn ich mein Auto abschliesse, weil wo sollen sie sich bei ihren nächtlichen Wanderungen nun ausruhen?? Das ist schon sehr verzwickt, vielleicht lass ich demnächst die Türe offen, das sie wenigstens nicht frieren müssen, und im Kühlschrank wäre dann auch gleich was zu essen…..wir sollen doch nicht ausländerfeindlich sein. Sondern ihnen Herz und Türen öffnen, in ihrer verzweifelten Lage.

leinen los…..oder wie fange ich keine Fische

„Gib noch mehr Leine! Halt es doch noch straffer! Ach, gib schnell her und übernimm Du das Steuer, beeil Dich doch, jetzt!“

Agnes rückte rüber und drosselte den Motor, denn die Wellen peitschten ihr schon ins Gesicht während des heftigen Platzwechsels.

Charly rollte die Leine auf und lockerte sie wieder etwas und rollte und lockerte mit einer unendlichen Geduld. Das Boot lag  ruhig da und sie konzentrierten sich nur noch auf das Ende der Strippe und … und!

„Wahnsinn“, Agnes sprang auf, hing aber noch mit einem Fuß in einem herumliegenden Seil fest und stürzte auf Charly zu, der sie aber nicht wahrnahm.  Er saß am Rande des Bootes und wollte gerade seinen ersten ’Fang’ rein holen, als sie auf ihn zufiel.

Ein Aufschrei, ein lautes Plumpsen, das Wasser spritzte auf und schlug wieder zusammen. Agnes konnte sich noch am Rande festhalten und blickte hinab.

Hunderte von schillernden Ringen trieben auseinander. Mein Gott, habe ich ihn jetzt umgebracht, schoss es ihr durch den Kopf. Als sich des Meer regelrecht, vor meinen Augen wieder auftat und Charly hervorschoss. Ihr fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Für einen Moment wusste sie nicht was mit ihm geschehen war. Sie freute sich nur, dass das Meer ihn wieder ausgespuckt hatte.

Als sie, beim Rettungsmanöver, sich ihn nun genauer betrachtete, hatte sie vor Lachen kaum Kraft ihn über Bord zu hieven.

Er lag  vor ihr, fest verschnürt, wie ein Paket!

“Halt endlich auf mit Deinem kindischem Gelächter und hilf mir mich von der Angelschnur zu befreien.“

„Ich hätte ertrinken können”

Sie bekam fast keine Luft vor Lachen, als sie ihm versuchte die Angelschnur, die fest um seinen Körper verzurrt war, abschnitt. Sie husteten und prusteten beide, er vom geschluckten Wasser und sie vor Lachen.

Als sie ihn endlich befreit hatte vielen sie sich um den Hals. “Falls Du es wieder einmal vorhast, mich ins Jenseits zu befördern, dann denke vorher daran, dass ich so langsam ein richtiger Seebär geworden bin”

Charly hob  seinen Fang hoch “der reicht für uns beide heute Abend” sagte er stolz. So langsam hatte Agnes sich wieder gefangen, “toll, aber mein Gott was hast Du denn da unten im Wasser getrieben, ich bin vor Angst fast gestorben.”

“Du bist nicht vor Angst fast gestorben, sondern weil Du Dich vor Erheiterung um meinen Todeskampf kaum noch halten konntest” antwortete Charly. Er stemmte die Arme in die Seite und schaute mich strafend an. ” Ich hatte noch etliche Leine rumliegen als Du mich über Bord stießt. Ich rollte ein paarmal im Wasser. Als ich die Richtung wieder hatte sah ich nur noch ein Gewirr von Schnur vor mir und meinen Fisch der im Begriff war sich zu verdünnisieren. Ich schnellte mit den Händen vor um den Fisch zu packen, griff durch das Schnurgewirr und zog dabei meine ‘Fesseln ‘ immer enger, aber! unser Abendmahl war wieder sicher. Ein echter Kerl kümmert sich eben zuerst um seine Lieben auch wenn er schon dem Tode geweiht ist”

Erhobenen Hauptes  drehte er sich um und schritt in die Kabine. Agnes blickte ihm stolz hinterher und er drehte sich noch mal um “na los, werfe die Maschine an und ab nach Hause. Ich ziehe mir nur etwas Trockenes an. Und!“

„Ich liebe Dich, du meine heimtückische Mörderin”, die Tür von unserer kleinen Kajüte schlug zu.

Agnes ging zum Steuer drehte den Zündschlüssel um und gab etwas Gas. Unser Boot glitt langsam über die Wellen.

Die Luft war, trotz dass es schon Mitte September war und die Sonne langsam unterging, noch herrlich warm.

Am Horizont waren zwei Boote, deren  Segel noch von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne berührt wurden.  Dieses Glitzern schien über das ganze Meer zu schweben. Tausende von Sternen lagen auf dem Wasser, welches nun von seinem zarten Pastellblau langsam ins gelbliche und nun eine rötliche Färbung überging. Die Sonne tauchte ins Meer. Sie schaltete den Motor aus.

„Wir sind nun schon 2 Jahre hier aber diese Sonnenuntergänge sind immer noch etwas Wundervolles, etwas Wertvolles“ sagte sie gedankenverloren.

Charlys Hand berührt sie sanft. Aus ihren Träumen herausgerissen, hatte sie Charly gar nicht bemerkt.

Sie drehte sich um und wollte etwas sagen. Seine Hand aber legte sich auf ihren  Mund und mit seinem  Arm drehte er sie wieder zum Horizont. Sie hielten sich fest, wie Ertrinkende, bis der Feuerball endgültig ins glühend rote Meer untertauchte.

“Ich bin so unendlich glücklich” sagte Agnes und zog Charly noch fester an sich. “Halt mich fest, für immer. Und halt unser Glück fest. Mehr brauche ich nicht im Leben” Er drückte sie fest an seinen Körper.

Die Zeit schien stehen zu bleiben. Sie spürte seinen leicht fröstelnden aber doch heißen Körper. Sie schloss die Augen und genoss einfach seine Nähe. Langsam löste er dann aber seine Umarmung und schob sie etwas von sich. Er sah ihr tief in die Augen und sagte mit sanfter doch männlicher Stimmer “und ich brauche nichts mehr im Leben als Dich in meinen Armen zu halten, mit Dir zu leben, Dich glücklich zu sehen. Wenn ich das alles habe, dann geht es auch mir gut. Ich liebe Dich, Agnes.” Er drückte sie wieder an sich und küsste sie. Ihr Körper begann zu zittern, nicht vor Kälte nein vor Erregung. Ihr war es nach mehr! Sie spürte ein kribbeln im Bauch, wie Schmetterlinge die hinaus fliegen dem Horizont entgegen. Es war als wäre sie wieder 14, Gefühle kamen in ihr hoch die sie schon lange nicht mehr gespürt hatte. Sie wollte ihn jetzt und hier. Auf dem wankenden Boot unter dem hellerleuchteten Mond. Nur er und sie und das Meer sonst nichts.

“Hier wird es aber langsam ungemütlich werden. Wollen wir es uns nicht lieber zu Hause. Wir machen es uns gemütlich und dann ein schmackhaften Fischessen?”

Aber die Vernunft siegte. Sie stieß ihn sanft gegen die Brust “auf Käp’ten, bringen wir unser Schiffchen in den Heimathafen, los”.

Charly setzte sich ans Steuer und sie fuhren Richtung Hafen. Von weitem konnten sie schon die Lichter der kleinen Hafenstadt sehen.

Das Ende seiner Träume…..

Gemeinsam gingen sie die alten Stufen zu ihrem Haus nach oben. Es roch nach Farbe und Kalk. Das Geländer hatten sie vor einigen Stunden erst wieder hellblau angemalt. Der alte Pope, Hausbesitzer und ihr Vermieter hatte gegen morgen noch die Hausmauern gekalkt. Auf den Stufen standen liebevoll angerichtet zwei Basilikumbäumchen und mehrere  alte griechische Amphoren, die sie auf ihren unzähligen Ausflügen gefunden hatten. Langsam gingen sie die  letzten Stufen nach oben. Ein grauer Salamander huschte flink ins rettende Gras. Die Lichter ihrer Terrasse gingen an, ein grelles für den Moment kurz schmerzendes Licht erhellte die Nacht. Rechts neben ihnen standen zwei Stühle und ein Tisch, bemalt von ihr. Stundenlang nein tagelang hatte sie dieser alten hölzernen Platte ein neues Leben gegeben. Doch wofür? Ein paar Würfel waren darauf zu sehen und drei Skatkarten. Das rote Herz, die rote Dame und der schwarze König. Ein Symbol ihrer ewigen Liebe sollte es sein.

Charly war sehr müde, die letzten Wochen merkte er schon das etwas mit ihm nicht stimmte. Er legte sich auf die grüne Couch, schaltete den kleinen Fernseher ein. Seine Beine waren so schwer. Seine Kräfte ließen ihn im Stich zu lassen.  Mit letzter Kraft hievte er sie nach oben. Agnes kam ihm zu Hilfe schaute ihn mit eisigen Augen an „was ist los Liebling?“ sagte sie mit kühler Stimme. Er räusperte sich die viele Arbeit mit den Booten. Sie lächelt boshaft  “…nein, ich komme nicht mit auf die Insel, jetzt schon gar nicht mehr“ sie reicht ihm seinen Kaffee. „Warum jetzt schon gar nicht mehr?“ „meinst du nicht, das deine Neue etwas dagegen haben könnte, wenn ich auch dort erscheine“ er wird blass, trinkt noch einen weiteren Schluck seines Kaffees.Sie konnte grad noch ihren heiss geliebten Becher retten bevor er zu Boden schelte und in tausend Stücke zerbrochen wäre.Dann war es vorbei.

Wer keinen Mut zum Träumen hat….

Zwei Paar nackte Füße ruhen auf dem Geländer. Zwischen ihnen eine Flasche griechischer Rotwein, zwei Gläser glitzern in der Abendsonne.

Die Grillen zirben, die Vögel zwitschern im dichten Laub der Olivenbäume und vom Dorf her dringen Gesprächsfetzen zu ihnen rüber. Sie schließt die Augen und genießt diesen Augenblick. Charly legt seine warme starke Hand auf ihren Bauch. Sie spürt seinen heißen  Atem an ihrem Ohr. Ein kurzer Schauer läuft ihr über den Rücken. Leise küsst er ihren Hals. Es ist so wunderschön das es fast unwirklich zu seien scheint. Sie hört noch seine raue Stimme die sagt  „wir sind endlich zu Hause angekommen, fühlst du es auch?“

Ihre Gedanken sind weit weg.

„Agnes, komm schon wir müssen los, die Arbeit wartet nicht auf uns“ sagte Franjo mit finsterer Miene „auf der Autobahn ist stau und wir müssen über die Landstraße fahren!“ Sie sucht hastig ihre Tasche macht ihr Schuhe zu und ruft noch einmal durch die halb geöffnete Tür“ bis morgen früh.“  Wie fast jeden Abend reagiert keiner von den beiden. Svenja liegt in ihrem Bett die Kopfhörer auf Anschlag und liest in irgendeiner Zeitschrift. Oliver, der kleinere, schaut noch Fern und  hebt teilnahmslos den Arm. Sie schließt die Türe hinter sich und geht  mit müden traurigen Augen zum Auto. Eine Thermoskanne Kaffee in der einen und die Handtasche in der anderen Hand. Schweigend fahren sie durch die Nacht. Sie versucht zu vergessen was passiert. Sie versucht zu verstehen warum er ihr das antun konnte, nach all den Jahren des immer wieder Verzeihens, der viele Arbeit, die dennoch ab und zu schönen Zeiten die sie mit einander verbracht haben. Im Augenwinkel sieht sie ein graues fahles Gesicht, die Nacht hat sie alt gemacht. Der Blick in den kleinen Spiegel über ihr, lässt sie kurz zusammen zucken, war sie das? Eine Träne rollt über ihr Wangen. Wo war die Zeit geblieben? Noch einmal gehen ihr die Worte durch den Kopf, Worte die so hart sein können und ein Leben zerstören. Wie oft hatte sie sich vorgestellt, jetzt wo die Kinder groß sind würde alles besser werden. Sie würden mehr Zeit für sich haben, ihre Angestellten würden auch ab und an mal auf ihre Anwesenheit zu verzichten können. Die Firma arbeitet sozusagen von allein. Sie könnten jetzt auch öfters mal Zeit miteinander verbringen, die Welt anschauen und nicht nur Arbeiten, endlich das Leben genießen. Gemeinsam an einem Strand liegen, nur er und sie, die Füße im weißen Sand. Das war doch der Traum für ihre Zukunft. Wo bitte sehr kommt da die junge Frau her, die Franjos Geliebte sein soll? Mit der er eine neue Zukunft aufbauen möchte? Wie soll sie es den Kindern erklären? Was wird jetzt aus der Firma, aus ihrem geliebten Haus? Aus ihrer Zukunft? Tausend Gedanken spuken in ihrem Kopf. Sie schaut heimlich zu ihm rüber, zu dem Mann mit dem sie ihr Leben aufgebaut hatte, mit dem Sie am Strand spazieren wollte, den Sonnenuntergang genießen und Hand in Hand ihre Zukunft leben wollte.  Zu dem Mann der ihr ihre Träume genommen hatte.

Was sie da sah war nicht mehr ihr Mann, er schaute verbissen auf die Fahrbahn, in seinem Gesicht war keinerlei Reaktion zu sehen, er schaute nicht ein einziges Mal zu ihr herüber. Nein. Er fuhr teilnahmslos die Straßen entlang. Wann war er so grau und alt geworden?

Wann hatte die Geschichte mit ihr, wie hieß sie doch gleich noch, angefangen? Sieh spürte die Kälte um sich herum, eine lieblose Kälte. Sie wollte gerade nach dem Thermostatregler greifen als sie sah dass er bis zum Anschlag auf heiß gestellt war….

Da merkte sie es und  traf in diesem Moment eine Entscheidung. Sie würde nicht schon wieder um ihn kämpfen nein sie würde das Beste daraus machen, aus einer momentan so verlorenen Situation. Sie ist stark und dieser Mann ist es nicht wert das sie schon wieder traurig ist.

Sie fuhren die lange Einfahrt entlang, der Pförtner grüßte wie immer freundlich und lächelte ihr zu….Es sollte das letzte Mal sein, das hatte sie beschlossen. Sie winkte ihm zu und lächelte zurück, wischte die letzte Träne aus ihren Augen. Sie stieg aus dem Wagen und ging ein letztes Mal durch das riesige Eingangstor, in die kalte, nach Druckerschwärze riechende Halle.

Sie schreckt zusammen, das Gras war klamm geworden, die Luft war immer noch angehm warm.  Am Horizont stand die glutrote Sonne über Korfu. Langsam sammelte sie ihre Gedanken wieder…Sie muss eingenickt sein…. Charly schaut sie liebevoll lächelnd an „was ist los Agnes?, du bist eingeschlafen. Es war ein harter Tag, komm lass uns ins Dorf fahren und noch etwas essen“ sie schaut ihn an sah ein funkeln in den Augen, küsst ihn und sagt „ja ich spüre es auch“